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Zur materialistischen Kritik des Antisemitismus

Über die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion"

Wenn die Rede auf den Antisemitismus kommt, dann mobilisiert diejenige Fraktion der bürgerlichen Gesellschaft in Deutschland, die sich noch irgendwie als „liberal“ und „aufgeklärt“ verstehen möchte, gerne Theoreme und Vokabeln wie „Vorurteil“, „Ressentiment“, „Uninformiertheit“ oder „Deutschtümelei“. Über Begriff und Sache der Ideologie jedoch schweigt man sich lautstark aus. Das kommt davon, dass der Bürger, fühlt er sich auch noch so sehr in der Klemme, immer noch den Aberglauben von wegen „die Gedanken sind frei“ verbreiten möchte: die letzte Notlüge der Herrschaft der Produktionsweise, der er sich auf Gedeih und Verderb verpflichtet fühlt. Aber die Gedanken sind unfrei. Sie denken dem nach und also: hinterher, was man denken muss, um im gesellschaftlich totalisierten System des Warentausches und also: der Kapitalakkumulation bestehen zu können.

 Nirgends zeigt sich dies Symptom so deutlich wie in all den Versuchen, über den manifesten Lügencharakter der sog. „Protokolle der Weisen von Zion“ zu informieren, die die Nazis seit 1920 in Umlauf brachten und die bis heute – nicht nur die „Charta der Hamas“ zeigt es – ein Bestseller sind, nicht nur im arabischen Raum. Zigmal ist seit dem Prozess von Lausanne 1934 der auch juristische Nachweis erbracht worden, dass es sich bei den „Protokollen“ um eine Fälschung (des zaristischen Geheimdienstes) handelt, niemals wurde der Frage Hannah Arendts nachgegangen, warum diese Lüge, aller rationalen Widerlegung zum Trotz, so gnadenlos durchschlägt.

Anders gesagt: untersucht man, mit Marx und Adorno, die politische Ökonomie der „Protokolle“, dann stößt man auf eben die Vorstellungen von Ware und Geld, von Souveränität und guter Herrschaft, die zur Substanz eben der Vorstellungen (und eigentlich Einbildungen) gehören, die die liberale Gesellschaft sich von sich selbst zu machen gezwungen ist und gesellschaftlich genötigt wird. Die „Protokolle“ erweisen sich als Ideologie im strikten Sinne, d.h. als „objektiv gesellschaftlich notwendige Gedankenform“ (Marx).

 Die Kritik des Antisemitismus setzt – so möchte der Vortrag zeigen –, die materialistische Selbstkritik des Liberalismus voraus, sollen das Erbe und der Auftrag der Aufklärung irgend bewahrt werden. Denn die liberale Gesellschaft ist an sich selbst antisemitisch; die Nazis haben „nur“ die barbarische Konsequenz daraus gezogen.

 Es spricht Joachim Bruhn (Freiburg), Mitarbeiter des ça ira-Verlags, in dem im April das ursprünglich 1936 in Prag publizierte Buch von Alexander Stein „Adolf Hitler, Schüler der ‚Weisen von Zion’“ in einer historisch-kritischen Edition von Lynn Ciminski und Martin Schmitt neu erscheinen wird.

  Samstag 19. März

19.30 Uhr

Haus Akzent

Hüxstraße 83 – 85

 Eine gemeinsame Veranstaltung mit der Gruppe Sur l´eau

9.3.11 23:30
 


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